Ich bezweifle nicht, dass es ihn gab.
Ich bezweifle nicht, dass er ein besonderer Mensch war.
Ich bezweifle nicht, dass er Großes geleistet hat.
Aber es gibt viele Menschen.
Es gibt viele, die besonders sind.
Es gibt viele, die Großes leisten.
Was also soll ihn aus allen herausstellen?
Was macht ihn besonderer als andere?
Was hebt ihn von „normalen“ Menschen ab?
Für mich irgendwie nicht mehr so viel.
Für mich hat er an Bedeutung verloren.
Für mich ist er nichts mehr, auf das ich meinen Glauben gründen kann.
Ich fand es immer schwierig, an ihn zu glauben.
Ich fand es immer schwierig, all den Geschichten zu vertrauen.
Ich fand es immer schwierig, ihm in meinem Glauben einen Platz zu geben.
Ich habe versucht, ihn anzunehmen.
Ich habe versucht, zu verstehen, was er bedeuten soll.
Ich habe versucht, ihm diese Bedeutung auch für mich zu geben.
Aber ich habe nicht beachtet, dass das die Bedeutung ist, die andere ihm geben.
Ich habe nicht beachtet, dass er für mich das vielleicht einfach nicht sein kann.
Ich habe nicht beachtet, dass ich mich nicht verbiegen muss, um reinzupassen.
Gerade bin ich auf der Suche nach meinem Glauben.
Gerade besuche ich dabei in Gedanken meine bisherigen Glaubensphasen.
Gerade versuche ich mich in meinen Zweifeln neu zu sortieren.
Es ist ein bisschen, als wäre er eine nette Bekanntschaft gewesen.
Es ist ein bisschen, als hätten wir uns nie richtig kennengelernt, weil es nicht ganz gepasst hat.
Es ist ein bisschen, als wären wir nur nebeneinander her, aber nicht miteinander gelaufen.
So ein Nebeneinanderherlaufen kann eben unangenehm sein, wenn man sich nicht so viel zu sagen hat.
So ein Nebeneinanderherlaufen kann unangenehm sein, wenn es einfach nicht passt.
So ein Nebeneinanderherlaufen kann unangenehm sein, wenn man meint, dass es von einem erwartet wird.
Und jetzt gehen wir eben getrennte Wege in beiderseitigem Einvernehmen.
Jetzt macht sich jeder auf, um seinen eigenen Weg zu gehen.
Jetzt können wir beide wieder aufatmen.
Ich fühle mich endlich freier.
Ich fühle mich richtig auf meinem Weg.
Ich fühle mich, als wäre mir das Kreuz abgenommen worden.
16.02.2021
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