Da ist einer,
der auf die Menschen zugeht,
keine Vorurteile zu haben scheint,
in jedem etwas Wertvolles sieht.
Da ist einer,
der Kranke heilt,
Hungrige versorgt,
Durstigen etwas zu trinken gibt.
Da ist einer,
der Wunder geschehen lässt,
der alle Grenzen sprengt,
der einfach wieder von den Toten aufersteht.
Da ist einer,
der sein ganzes Leben Gott widmet,
der sagt, dass er sein Sohn ist,
der ganz nach Gottes Willen handelt.
Da ist einer,
der jede Menge Leute gegen sich aufbringt,
der einfach das tut, was er für richtig hält,
dem es egal ist, was andere von ihm denken.
Da ist einer,
der scheinbar perfekt ist,
der voller Überzeugung alles richtig macht,
der scheinbar nie Fehler macht.
Und doch, oder gerade deswegen
fällt es mir schwer, ihn anzunehmen
fällt es mir schwer, ihn ernst zu nehmen
fällt es mir schwer, ihn in mein Leben aufzunehmen
fällt es mir schwer, das nicht alles auseinanderzunehmen
fällt es mir schwer, meine Zweifel fortzunehmen
fällt es mir schwer, das alles einfach hinzunehmen
fällt es mir schwer, einen Weg mit ihm auf mich zu nehmen
fällt es mir schwer, ihn ernsthaft wahrzunehmen
Denn wer ist das?
Wer ist das, der keine Vorurteile hat?
Wer ist das, der bedingungslos einfach hilft?
Wer ist das, der Grenzen übertritt und dafür jetzt verehrt wird?
Wer ist das, der nur für Gott lebt?
Wer ist das, der ohne irgendwelche Zweifel das tut, was er für richtig hält?
Wer ist das, der keine Fehler hat?
Sie nennen ihn Jesus, Christus, Messias, Retter, Heiland, Herr, Erlöser, Licht der Welt, Lamm Gottes und so viel mehr.
Aber wer ist das?
Wer ist das für mich?
Wie soll ich so einen verstehen?
Wie soll so jemand für mich ein Vorbild sein?
Ich versuche, vorurteilsfrei zu sein, aber habe ich nicht immer ein Bild, einen ersten Eindruck, von einem Menschen, das meinen Blick auf ihn prägt, auch wenn ich viel davon zurückdrängen kann?
Ich helfe auch gern und bin zur Stelle, wenn mich jemand braucht, aber denke ich nicht auch manchmal darüber nach, welchen Vorteil ich daraus ziehe?
Ich übertrete auch mal Grenzen, aber ist da nicht immer der Gedanke, die Angst, dahinter, was andere dann von mir denken könnten?
Ich bete auch gern und glaube irgendwie an Gott, aber kann ich mir vorstellen, mein ganzes Leben für Ihn oder wenigstens nach seinen Vorstellungen zu leben?
Ich mache auch gern das, was ich für richtig halte, aber zweifle ich nicht immer wieder daran, ob das auch wirklich das Richtige ist?
Ich bin auch immer wieder mal davon überzeugt, dass ich etwas gut gemacht habe, aber ich bin weit davon entfernt, keine Fehler zu haben und vor allem zu machen.
Wie soll also jemand, der scheinbar so perfekt ist, für mich, die so viele Fehler macht und hat, ein Vorbild sein?
Ich werde immer mal Menschen verurteilen, auch wenn ich mich noch so sehr dagegen wehre.
Ich werde immer mal für mich den Vorteil suchen, auch wenn ich den Gedanken schnell wieder verdränge.
Ich werde immer mal darüber nachdenken, was andere von mir denken könnten, auch wenn ich mir einrede, dass es mir egal ist.
Ich werde immer mal gegen Gottes Willen handeln, auch wenn ich bemüht bin, seinen Weg nachvollziehen zu können.
Ich werde immer mal an mir und meinen Entscheidungen zweifeln, auch wenn ich dahinter stehen sollte.
Ich werde immer mal Fehler machen, auch wenn ich mich noch so sehr bemühe.
Ich werde nie so gut sein.
Ich werde immer weit hinter ihm landen.
Ich werde mich fragen, was das soll.
Ich werde mich fragen, warum ich das mache.
Ich werde frustriert sein, weil ich nicht so bin.
Ich werde mir überlegen, warum ich es überhaupt versuche.
Vielleicht, weil es schon ein Anfang ist, wenn ich mich gegen die Gedanken wehre und wenigstens versuche, die Vorurteile in den Hintergrund zu schieben.
Vielleicht, weil es manchmal neben aller Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft auch wichtig ist, an meinen Vorteil zu denken, der ja auch „nur“ ein gutes Gefühl sein kann.
Vielleicht, weil es schon ein Anfang ist, manchmal eine eigene kleine Grenze zu übertreten, auch wenn ich Angst davor habe.
Vielleicht, weil es ein großer Schritt ist, wenn ich mir Gedanken darüber mache, wie Er handeln würde und mir die Unterschiede bewusst mache und vielleicht daraus lerne.
Vielleicht, weil Zweifel manchmal ein Zeichen dafür sind, dass ich bewusst lebe und mir Gedanken über meine Entscheidungen und mein Handeln mache.
Vielleicht, weil ich aus Fehlern immer und immer wieder lernen kann, um beim nächsten Mal anders zu handeln.
10.02.2020
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